IDS – Vom Chaos zur Klarheit

Wenn Anforderungen verbindlich werden

Information Delivery Specification. Der Begriff klingt technisch, fast wie Morsezeichen, und doch markiert er einen Wendepunkt im digitalen Bauen. Denn IDS beschreibt nicht weniger als den Übergang von implizitem Wissen zu expliziter Verbindlichkeit, von Annahmen zu überprüfbaren Regeln.

 

Als offener BIM-Standard von buildingSMART definiert IDS klar und digital lesbar, welche Informationen in einem BIM-Modell enthalten sein müssen, zu welchem Zeitpunkt sie vorliegen sollen und in welcher Qualität sie erwartet werden. Das Ziel ist Kontrolle, Klarheit, damit alle Projektbeteiligten mit denselben Grundlagen arbeiten und Entscheidungen auf Modelldaten treffen können, statt auf Interpretationen.

Goodbye Excel – Welcome IDS

BIM-Anforderungen beschränken sich dabei längst nicht mehr darauf, dass Elemente dreidimensional modelliert sind. Fenster, Treppen, Wände sind nur ein Teil des Ganzen. Ebenso relevant sind jene Aspekte, die nicht sichtbar sind, aber entscheidend wirken, etwa fehlende Merkmale oder unvollständige Attribute. Und genau hier beginnt der eigentliche Umgang mit Informationsanforderungen.

 

Ein klassisches Szenario ist schnell skizziert. Der Auftraggeber übergibt eine Excel-Liste, fein säuberlich gefüllt mit Eigenschaften, Werten (Bsp. SIA 416) und Zuordnungen zu einzelnen Bauteilen. Der BIM-Manager übernimmt, konfiguriert Eigenschaften, passt IFC-Übersetzer in ArchiCAD an, prüft mehrfach und hofft, dass nichts übersehen wurde. Lange Zeit war das der Standard. Und gleichzeitig eine mögliche Fehlerquelle.

Die heutige Idealform wäre, diese Anforderungen direkt als IDS-Datei zu erhalten. Denn damit verschiebt sich der Prozess grundlegend. Informationsanforderungen werden im IDS-Editor, etwa in Solibri, strukturiert definiert und nachvollziehbar. Anschliessend lassen sie sich in IDS-kompatible CAD-Programme wie ArchiCAD einlesen, im Modell umsetzen und anschliessend wieder automatisiert überprüfen.

 

So entsteht ein digitaler Workflow, der Iteration erlaubt, Transparenz schafft und vor allem das Risiko minimiert, BIM-Vorgaben nur teilweise zu erfüllen. Denn die Konsequenzen sind bekannt. Der Verlust einer realen Chance. Nicht wegen mangelhafter Architektur, sondern wegen fehlender Information.

 

Die Quintessenz mag unglamourös sein, kann aber als entscheidend gesehen werden. Digitale Prozesse können den Ausgang eines Wettbewerbs tatsächlich unmittelbar beeinflussen. IDS ist dabei kein Allheilmittel, aber ein präzises Werkzeug, um Ordnung in komplexe Anforderungen zu bringen. Und genau deshalb ist die IDS-Ära bereits dabei still die reale Welt zu erobern.