Fischer Landschaftsarchitekten: Wechsel zu ArchiCAD

«Drei Stunden waren weg»: Warum Fischer Landschaftsarchitekten auf ArchiCAD wechselte

ArchiCAD ist in der Landschaftsarchitektur nicht die offensichtliche Wahl. Genau deshalb ist der Fall Fischer Landschaftsarchitekten interessant. 

Das Büro aus Richterswil hat sich nicht für ArchiCAD entschieden, weil es in der Branche Standard wäre. Sondern weil es im Alltag ein Problem löste, das viele Planungsbüros kennen: zu viele Schnittstellen, zu viele Umwege, zu viel verlorene Zeit.

ARCHICAD KENNENLERNEN

Das alte Programm war nicht falsch. Es wurde nur zu eng.

Fischer Landschaftsarchitekten ist ein klassisches Objektplanungsbüro. 17 Mitarbeitende, davon drei Lernende, planen öffentliche Anlagen, Schulhäuser, Friedhöfe, Wohnbauten und Freiräume. Das Büro begleitet Projekte von der strategischen Planung bis zur Ausführung. Also genau dorthin, wo digitale Modelle nicht nur schön aussehen müssen, sondern funktionieren sollen. Lange arbeitete das Team mit einer anderen CAD-Lösung. 

Das funktionierte. Bis es nicht mehr richtig funktionierte. Der Engpass lag nicht in der Gestaltung. Er lag in der Übersetzung. Neue Planstände von Architekturbüros mussten eingelesen, angepasst, kontrolliert und wieder auf die eigene Planung übertragen werden. Ein Vorgang, der sich bei komplexen Projekten ständig wiederholte. «Wenn ein neuer Stand kam, wusste man: Die nächsten zwei bis drei Stunden sind weg.» Das ist kein spektakuläres

 

Digitalisierungsproblem. Aber ein sehr reales. Und wahrscheinlich eines, das in vielen Büros mehr kostet als grosse Strategiefragen. Dazu kam ein zweiter Punkt: 3D. Bauherrschaften wollten Projekte zunehmend räumlich verstehen. Nicht nur als Plan, sondern als Raum. Als Topografie. Als Atmosphäre. Als Schattenwurf. Mit dem bisherigen System stiess Fischer Landschaftsarchitekten dabei an Grenzen.

Die Frage war nie: Was nutzt die Landschaftsarchitektur?

Man hätte nun klassisch fragen können: Welche Software ist für Landschaftsarchitektur üblich? Fischer Landschaftsarchitekten stellte die Frage anders: Mit welchen Programmen arbeiten die Architekturbüros, mit denen wir ständig zusammenarbeiten? Gleichzeitig kamen immer häufiger Anfragen zu 3D-Planungen und BIM – Themen, bei denen das bisherige Programm ebenfalls an Grenzen stiess. Die Antwort war eindeutig. Über 90 Prozent der wichtigsten Architekturpartner arbeiteten mit ArchiCAD. Damit wurde aus einer Softwarefrage eine Schnittstellenfrage. Und aus einer ungewöhnlichen Wahl eine ziemlich logische.

 

«Wir haben gesagt: Das ist eigentlich ideal für uns. Wir haben kurze Schnittstellen, gute Anbindungen und können direkt weiterarbeiten.» ArchiCAD wurde also nicht gewählt, weil es der naheliegende Landschaftsarchitektur-Standard ist. Sondern weil es die Sprache der wichtigsten Projektpartner spricht.

Ein Wechsel ohne grosses Drama

Der Umstieg erfolgte pragmatisch. Neue Projekte wurden in ArchiCAD gestartet. Laufende Projekte blieben, je nach Phase, im alten Programm. Kein radikaler Bruch. Kein Komplettumbau über Nacht. Eher ein kontrolliertes Hineinwachsen. Heute arbeitet das Büro fast vollständig mit ArchiCAD. Nur wenige Altprojekte werden noch abgeschlossen. Damit ArchiCAD zur eigenen Arbeitsweise passt, entwickelten Fischer Landschaftsarchitekten einen Bürostandard.

Auf Basis der KEYMEMBER-Vorlage, ergänzt mit eigenen Bäumen, Bildschraffuren für die Umgebungspläne. Dazu kommt die Verwendung der swissTools  mit dem Geländeimport über die swissGIS Palette und die Koordinaten- und Geländetools. Das klingt nach Detailarbeit. Ist aber entscheidend. Denn wer ArchiCAD in der Landschaftsarchitektur einsetzt, übernimmt nicht einfach eine Architektursoftware. 

Weniger Übersetzung, mehr Planung

Man macht sie passend für die Umgebungsplanung mit Gelände, Aussenbereichen und Ausführungsplanung. Der grösste Unterschied zeigt sich im Alltag. Architektendateien können direkt verknüpft werden. Neue Planstände werden nicht mehr jedes Mal zum separaten Übersetzungsprojekt. Sie werden eingebunden, aktualisiert und weiterverarbeitet.

«Wir können das mit einem Klick verknüpfen und dann loslegen. Das Ganze ist so viel einfacher geworden.»

 

Gerade in der Landschaftsarchitektur ist das mehr als Komfort. Aussenräume liegen zwischen Gebäude. Wenn ein Gebäude verschoben wird, betrifft das Wege, Höhen, Anschlüsse, Stützmauern, Entwässerung, Bepflanzung. Je früher diese Beziehungen sichtbar werden, desto weniger Überraschungen entstehen später in der Ausführung.

3D ist hier kein Showroom

Viele sprechen über 3D, als gehe es vor allem um schöne Bilder. Bei Fischer Landschaftsarchitekten klingt das anders. 3D ist hier weniger Präsentation als Kontrollinstrument. Beim Projekt Klosters Pardenn etwa ging es um eine Wohnüberbauung am Hang. In 2D hätte das viel Rechnen und Prüfen bedeutet. Im 3D-Modell ist das viel einfacher, weil die Topografie früher greifbar wird.

Beim Grand Resort Bad Ragaz wiederum wurden Pergolen modelliert, positioniert und hinsichtlich Schattenwurf geprüft. Die Bauherrschaft konnte den Sonnenstand selbst im BIMx-Modellverändern und direkt nachvollziehen, wie sich der Schatten auf die Terrasse legt. Das ist der Punkt, an dem Digitalisierung konkret wird. Nicht als Buzzword. Sondern als bessere Entscheidungsgrundlage.

BIMx macht aus Planung ein Gespräch

Auch BIMx spielt eine wichtige Rolle. Für Sitzungen, Bauherrschaften und Projektbeteiligte wird das Modell zum gemeinsamen Bezugspunkt. Es muss nicht mehr alles erklärt werden. «Mit BIMx kann die Bauherrschaft das Ganze als Raum wahrnehmen. Das lässt sich besser vermitteln als mit einem 2D-Plan.»

 

Beim Projekt Frauenfeld wurde das besonders deutlich. Der Wettbewerb wurde noch mit dem alten Programm gewonnen. In der weiteren Bearbeitung kam ArchiCAD zum Einsatz. Später wurde das Modell auch in Twinmotion aufbereitet. Mit VR-Brille konnte die Bauherrschaft das Projekt begehen, bevor es gebaut war. Inklusive einer Szene, in der sich jemand virtuell im Liftschacht verlief und die Präsentation kurz gestoppt werden musste. Auch das gehört zur Wahrheit: Digitale Planung wird nicht nur präziser. Manchmal wird sie auch erstaunlich menschlich.

Wenn Architektenaugen leuchten

Beim Projekt Kartoni in Glarus arbeitete Fischer Landschaftsarchitekten mit vier Architektenteams zusammen. Alle Architekten arbeiteten mit ArchiCAD. In der ersten Sitzung sei es dann um die Frage gegangen, wie der Austausch am besten gelöst werde. Als Fischer Landschaftsarchitekten sagte, dass sie ebenfalls mit ArchiCAD arbeiten, hätten die Architekten «Licht in die Augen bekommen».

Das ist vielleicht der schönste Satz dieser Geschichte. Weil er zeigt, worum es wirklich geht: weniger Reibung zwischen Disziplinen. 

 

Das Team Fischer erstellte eine Gesamtdatei, in der die unterschiedlichen Gebäudestände und die Umgebung zusammengeführt wurden. So entstand nicht nur mehr Überblick, sondern auch ein BIMx-Modell für alle Projektbeteiligten.

Nicht Standard. Aber sinnvoll.

Der Fall Fischer Landschaftsarchitekten zeigt etwas Interessanteres: Manchmal ist die beste Softwareentscheidung nicht die naheliegendste. Sondern die, die die meiste Reibung aus dem eigenen Alltag nimmt.

 

Für Fischer Landschaftsarchitekten bedeutete der Wechsel weniger Schnittstellenarbeit, bessere 3D-Kontrolle, verständlichere Kommunikation mit Bauherrschaften und eine engere Verbindung zu den Architekturbüros.

 

Oder, wie es das Büro selbst beschreibt: «Die Umstellung hat wieder Schwung gebracht. Es ist ein Ruck durch die ganze Firma gegangen.»

Es klingt nach einem Büro, das wieder schneller an das kommt, worum es eigentlich geht: gute Freiräume planen.