fsp Architekten AG

Die fsp Architekten AG haben in ihrem neuen Domizil in Spreitenbach ein BIM-Lab eingerichtet und geben damit der Bauphilosophie der Zunkunft heute schon ein Gesicht.  Dabei stehen Stimmungen im Zentrum, welche die funktionalen Abläufe unterstützen.

 

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Das Büro Fugazza Steinmann Partner AG hatte sich in der Aargauer Architekturszene über Jahrzehnte einen Namen gemacht – neben dem langjährigen Firmensitz in einer Villa in Wettingen befanden sich im Zuge des Wachstums in zwei in der Nähe gelegenen Grosswohnungen weitere Arbeitsplätze. Effizient war das nicht, aber es ging damals nicht anders. Die bisherigen Eigentümer gingen im Sommer 2011 in Pension, ihre Nachfolger konnten mit dem auf «fsp Architekten AG» umbenannten Betrieb Ende 2014 nach Spreitenbach umziehen. Dieser Domizilwechsel öffnete neuen Ideen Tür und Tor – und für den schon länger in den Köpfen herumgeisternden BIM-Planungsprozess war der örtliche Neuanfang ein eigentlicher Glücksfall.

Platz für Emotionen

Auf den per 2016 total 1400 Quadratmetern war genügend Platz vorhanden, um die Firma organisatorisch und gestalterisch in eine neue Dimension zu heben. Neben den klassischen Arbeitszonen der Projektteams entstanden diverse gemeinschaftliche Räume mit starker Ausstrahlung: Eine übersichtliche Bibliothek mit hörsaalähnlichen Lesestufen, ein lichterfüllter Mittagsraum oder das «Revier» – ein in Waldstimmung gestaltetes Kreativzimmer, in dem ein modellierter Rehbock quasi als Maskottchen im Mittelpunkt steht. Ein «Whiskey-Zimmer» gibt es auch, wobei dort nicht das hochprozentige Whiskey-Destillat sondern der Farbton der Fasshölzer namensgebend war. Kurz: bei fsp haben Emotionen Einzug gehalten, die in der alten Umgebung unter den räumlichen Zwängen keinen Platz hatten. Und alte «Karrspuren», in denen man sich aus purer Gewohnheit bewegt, gibt es in den neuen Räumlichkeiten keine. Im Gegenteil: Sowohl die Mitarbeitenden als auch die Bauherrschaften spüren und erleben die Qualität, die das Neue bietet. In Spreitenbach wird die «BIM-chain» erlebbar gemacht.

BIM-lab geht noch weiter

Die neuen Sitzungszimmer sind limettengrün, dunkelbraun oder pink, sie werden für die jeweiligen Besprechungen bzw. auf die Bauherrschaft abgestimmt ausgewählt. «Für den BIM-Planungsprozess kamen 2016 weitere speziell gestaltete Räume hinzu: Wie etwa der ‚Playground‘ im Zugangsbereich zum ‚BIM-lab‘, in dem die Bauherren mit Lego-Steinen ihren Ideen eine Form geben dürfen», erklärt Urs Huber, der BIM-Projektleiter der fsp Architekten AG und merkt an, dass dies eigentlich das allererste Glied der «BIM-chain» sei, noch vor dem tiefsten Detaillierungsgrad «LOD-100». Oder ein völlig abgeschotteter, tageslichtfreier Dunkelraum namens «virtual reality»: «Hier können über die Projektionsgeräte Farbgebungen simuliert oder für ein Projekt in Frage kommende Produkte evaluiert und festgelegt werden. Ablenkung durch Ausseneinflüsse gibt es keine, im Zentrum stehen ausschliesslich das Projekt und die anstehenden Entscheidungen. Gleich nebenan befindet sich das eigentliche «Regiezimmer» der BIM-Planungen, in dem die BIM-Koordinationssitzungen stattfinden – es heisst «isee», abgeleitet von ICE (integrated concurrent engeneering) und bietet räumlich Platz für ein Dutzend interne und externe Projektbeteiligte. Die Technik lässt keine Wünsche offen und erlaubt high-speed-Zugriff auf die externen Fachmodelle. «In diesem Raum werden nicht nur Probleme besprochen, sondern vor allem Lösungen erarbeitet und Erkenntnisse gefunden. Und das macht die Abläufe so richtig effizient!», bringt es Urs Huber auf den Punkt.

Mentale Bereitschaft ist entscheidend

Die fsp Architekten AG sind der beste Beweis dafür, dass die Umstellung auf die BIM-Planung vor allem dann gelingt, wenn die mentale Bereitschaft für das Neue bei allen Mitwirkenden da ist. Der gestalterische Ausdruck der mit viel Pep gestalteten Räumlichkeiten unterstützt die Idee dahinter, aber er ist nur die sichtbare Spitze des «BIM-Eisberges» – darunter verbirgt sich viel mehr: Wie etwa detaillierte Tabellen, Datenstrukturen, Favoriten- und Mustervorlagen, auf die im Rahmen der BIM-Planung in ArchiCAD oder speziellen BIM-Programmen systematisch zugegriffen wird. Urs Huber, der mit Selim Manjusak und Raman Misinovic das «Herz» des BIM-labs der fsp Architekten AG bildet, erklärt mit leisem Stolz die «BIM-chain», und dass ihr Büro diese Kette vom ersten bis zum letzten Glied im Griff haben will. Obwohl die letzten Glieder, wie die Integration des BIM-Gebäudemodells ins Facility-Management, zum Zeitpunkt der BIM-motivierten fsp-Neustrukturierung eher in der Welt der Zukunftsmusik anzusiedeln waren. Und das allerletzte Glied, nämlich der systematische Rückbau der heute erstellten Gebäude, erst in Jahrzehnten wirklich ein Thema sein wird.

 

Roland Eggspühler, medienschaffender Architekt ETH SIA

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