Wegen BIM zu ArchiCAD

Projekt: Sanierung & Erweiterung Domicil
Kompetenzzentrum Demenz Oberried, Belp

Die Vision, dass ihr Büro in Zukunft nur noch nach BIM plant und baut, entstand im Jahre 2015: Die heutigen BIM-Verantwortlichen Urs Schär und Christof Räss kamen erstmals an einer SIA-Fachtagung mit der neuen Planungsphilosophie in Kontakt, in den folgenden Monaten lernten sie die Welt des digitalen Bauens im entsprechenden Masterstudium an der Fachhochschule Nordwestschweiz von Grund auf kennen. In Liebefeld riefen sie in ihrem Büro eine BIM-Kerngruppe ins Leben. Diese überlegte sich, wie BIM als genereller Standard ins Büro integriert werden könnte – mit dem Ziel, die Arbeitsabläufe einheitlicher und vor allem effizienter zu gestalten. In der Folge „upgradete“ die MRH-Geschäftsleitung die zu jenem Zeitpunkt noch eher lose BIM-Idee zum konkreten Projekt, die BIM-Kerngruppe arbeitete während rund einem Jahr in einem Dutzend thematischer Facetten auf die Umstellung hin, und sie befasste sich auch sehr detailliert mit den begleitenden Veränderungen auf diesem Weg zum Ziel.

ArchiCAD passt perfekt zu BIM

"Erst das gute Zusammenspiel zwischen Menschen, Prozessen und Technologien führt zu den gewünschten BIM-Zielen“, holt Urs Schär aus und erklärt, dass die Software dabei eine wichtige Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund hinterfragte MRH ihr CAD-System und entschied sich nach längerer Evaluation für ArchiCAD. Christof Räss ist von der neuen ArchiCAD-Version begeistert, "weil sie einen riesigen Sprung darstellt und die Neuerungen uns für die Umsetzung der BIM-Planungsprozesse perfekt in die Hand spielen."

Erfolgreiches Pilotprojekt

Cafeteria, Oberried

Das BIM-Pilotprojekt war das Domicil Kompetenzzentrum Demenz Oberried in Belp. Vor Beginn der Planungsarbeiten hatten die IDC-Spezialisten die ersten MRH-Mitarbeitenden auf ARCHICAD geschult. Alle anderen Mitarbeitenden führten ihre laufenden Projekte nach den alten Standards zu Ende und gingen vor dem Start eines neuen Projektes individuell zu IDC in die ARCHICAD-Academy-Schulung, um die neue Aufgabe von Grund auf nach BIM und mit ARCHICAD planen zu können. "Diese gestaffelte Umstellung ist für uns ein laufender Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Der Tag X für alle, war bei uns kein Thema. Denn mitten in einem laufenden Projekt die CAD-Plattform zu wechseln, machte aus unserer Sicht keinen Sinn blickt Christoph Räss auf den Beginn der Wechselphase zurück. In den sogenannten „Micro-Sessions“, die über mehrere Wochen verteilt in den Projektalltag eingestreut werden, vertieft die MRH-Belegschaft ihr Know-how zusätzlich: Dabei hat jeder bereits in ARCHICAD geschulte Mitarbeitende die Aufgabe, seinen Kolleginnen und Kollegen eine spezielle Funktion von ARCHICAD zu vermitteln, die es im früheren Programm nicht gab.

Effizienzsteigerung durch Messungen belegt

Bewohnerzimmer, Oberried

Die MRH Architekten führten extra Messungen der Architekturleistungen durch, um den Effizienz-Fortschritt von der traditionellen in die neue CAD-/BIM-Umgebung beurteilen zu können. Bezüglich der Bauprojekt- und Ausschreibungsphase ging das „Duell“ beim ersten ARCHICAD-Projekt mit Gleichstand aus – angesichts des „Erstlings“ nach der Schulung und der Umstellung von 2D auf das 3D-Modell waren die MRH-Verantwortlichen damit sehr zufrieden: „Und in jener Phase, wo wir Informationen aus dem Modell rausziehen konnten, war der Effizienzgewinn durch ARCHICAD ein erstes Mal effektiv messbar“, so Urs Schär. Die MRH Architekten werden in Zukunft jedes Projekt nach der BIM-Methode planen – weil es über die gesamte Projektdauer betrachtet für alle Beteiligten zu einem Mehrwert führt. Eine Ausnahme machen sie momentan noch bei ihrer Wettbewerbsteam: In diesem Bereich arbeiten die Mitarbeitenden noch mit den ihnen seit Jahren vertrauten Entwurfsmethoden und Hilfsmitteln. ARCHICAD kommt dort vorerst selektiv zum Einsatz – für die modellbasierte Mengen- und Kostenermittlung sowie in Teilbereichen für die Visualisierung. Längerfristig erfolgt auch beim Wettbewerbsteam der Wechsel auf den modellbasierten Entwurf im ARCHICAD. An einem Prinzip werden die MRH Architekten aber auch dann festhalten: Im Hinblick auf ein erfolgreiches Ausführungsprojekt bauen sie jedes siegreiche Wettbewerbsprojekt von Grund auf neu in ARCHICAD auf. „Damit erreichen wir für die Ausführung jene Präzision, die auf Stufe Wettbewerb noch nicht entscheidend ist, und öffnen uns ab jenem Moment, wo BIM relevant wird, die Türen in diese Dimension des Planens“, so Urs Schär.

 

 

Roland Eggspühler, medienschaffender Architekt ETH SIA