Hornberger Architekten AG

Isabelle Dejung, Klaus Hornberger

Der Zürcher Architekt Klaus Hornberger und sein Team haben den neuen Zuger Bahnhof entworfen und realisiert. In die 15 Planungsjahre fiel auch die Umstellung von Hand- auf Computerzeichnung.


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Interview

Das Büro mit viel Zug...

Um von A nach B zu gelangen, gibt es meist viele Wege. Geradlinige, etwas weniger direkte und solche mit grossen Umwegen. Der Zürcher Architekt Klaus Hornberger kennt sie alle, und beim Neubau des Bahnhofs Zug stechen die Umweg-Routen ganz besonders ins Auge. Bis «hornberger architekten» freie Bahn für den Neubau des Zuger Bahnhofs erhielten, dauerte es eine ganze Weile. 1989 war der Ideenwettbewerb, bei dem sie mit dem Projekt «Kirschtorte» die erste Runde für sich entscheiden konnten. Handgezeichnet waren sie, die umfangreichen Pläne – für die damalige Zeit nichts besonderes. Ausserordentlich war jedoch der Kurvenradius von 220m, mit dem sich die Eisenbahnschienen von Zürich kommend der Stadt Luzern zuwenden. «Um diese Linien zeichnen zu können, mussten wir extra einen Spezialzirkel organisieren», erinnert sich Klaus Hornberger an die ohnehin schon ziemlich hektische Wettbewerbsphase zurück: «Es war ein Aluminiumprofil mit integrierter Nadel am einen und ein Tuschstifthalter am anderen Ende.» Diesen Spezialzirkel gibt es heute immer noch. Er trohnt in den Büroräumlichkeiten an der Englischviertelstrasse in Zürich wie eine Trophäe aus vergangenen Zeiten. Von den älteren Mitarbeitenden wird er mit viel Respekt, von den jüngeren eher mit einem fragenden Lächeln betrachtet.

Von der Knacknuss zum Kinderspiel

1989 waren die Jüngsten des Hornberger-Teams mitten in der Primarschule, ihre architektonischen Vorstellungen setzten sie da- mals noch mit Holzklötzen und Lego-Steinen um. In die Welt des CADs traten sie erst einige Jahre später ein. Beim Büro Hornberger war dies 1993 der Fall.

Klaus Hornberger erinnert sich: «Den fraglichen Kurvenradius zu zeichnen war plötzlich zum Kinderspiel geworden.» Und das musste Hornberger noch mehrmals tun. In den neunziger Jahren folgen nämlich Überarbeitungsrunden, lokalpolitische Dissonan- zen und eine Volksabstimmung (1995), die alle nicht unbedingt im Sinne der Architekten verliefen. Speziell der negative Referendums- Entscheid des Souveräns war schwer zu verdauen. Denn Hornberger musste eine startklare Crew bereit haben, die am Montag danach mit der Umsetzung hätte beginnen können. Doch es blieb vorerst beim Konjunktiv. Und das lag etwas auf dem Magen.

Vernetzung durch Datenaustausch

Doch nach dem Neubeginn der Planungsarbeiten im Jahre 1997 hatte Klaus Hornberger – verglichen mit den Schwierigkeiten zuvor – erfrischend freie Bahn und konnte sein neues Projekt mit viel Zug vorantreiben. ArchiCAD stand als Werkzeug zur Seite und entwickelte sich zur zentralen Drehscheibe im Planungsprozess. «Angesichts der Komplexität der Rahmenbedingungen entschieden wir uns, alles im 2D zu zeichnen», erklärt Klaus Hornberger. Seine langjährige Mitarbeiterin Isabelle Dejung bestätigt dies: «Wir haben dieses Projekt so oft neu begonnen, und im Westbereich ist fast jeder Meter ein Spezialfall. Im Sheddach über dem Innenhof wechselt das Rastermass von Achse zu Achse, weil die Rahmenbedingungen dies so erforderten.» Für die Visualisierungen zog Projektleiterin Dejung ein spezialisiertes Büro zu, die Daten wurden natürlich digital übergeben. ArchiCAD ist darauf ausgelegt, sich mit externen Partnern auszutauschen. Dies handhabte Dejung übrigens auch im Workflow mit den verschiedenen Ingenieuren so. Auch diese haben viel Denksport und Zeichenarbeit leisten müssen, um Hornbergers «Kirschtorte» umzusetzen. Denn die komplexe Aufgabenstellung war äusserst anspruchsvoll, und alle Anliegen mit den eigenen Vorstellungen in Einklang zu bringen eine echte Herausforderung. ArchiCAD half nicht nur bezüglich «Pflicht», es bildete auch die Grundlage für die «Kür»:

Die Visualisierungen rund um die Lichtkunst von James Turrell waren enorm wertvoll. Denn der im Budget vorgesehene Betrag musste um ein Mehrfaches erhöht werden, um die Ideen des Amerikaners in vollem Umfang umsetzen zu können. Und dazu brauchte es gute Argumente. Die Visualisierungen halfen sehr, Stadt und Kanton Zug, die SBB sowie private Donatoren für zusätzliche Gelder zu erwärmen. Das Resultat überzeugt von A bis Z.

Kunst in Bau integriert

Denn James Turrells Lichtkunst inszeniert Hornbergers Architektur so richtig. Der Innenhof ist von wechselnden Farben geflutet, die Leuchtstoffröhren sind in den Bodenplatten der Laubengänge eingelegt, welche die Büroetagen innenhofseitig erschliessen. Die sandgestrahlten Glasfronten fangen das farbige Licht auf und werden so zu überlangen «Monitoren». Die einfachen Skizzen mündeten in komplizierte Details, für die ArchiCAD wie geschaffen war. Die genaue Dosierung der Lichtintensität und die präzisen Farbabläufe der laufend wechselnden Stimmungen herauszutüfteln, war die hohe Kunst. Sie wurde in weiten Teilen am Computer geschaffen, James Turrell war lediglich in der Vorwoche der Eröffnung vor Ort, um gemeinsam mit den Architekten die Feinjustierung der verschiedenen Farbeinstellungen vorzunehmen und die wechselnden Lichtszenen zu definieren. Ansonsten tauschte sich der Künstler mit den Architekten in einer sehr effizienten Zusammenarbeit per E-Mail aus. Das wäre vor 15 Jahren nicht möglich gewesen ...

 

Roland Eggspühler, medienschaffender Architekt ETH SIA

Informationen

Hornberger Architekten AG

Englischviertelstrasse 22 · 8032 Zürich
Tel. 01 252 20 80 · Fax 01 252 20 81
architektenanti spam bot@hornbergeranti spam bot.ch · www.hornberger.ch


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